Meine Erdbeerernte 
 
Alle die mich kennen, wissen es, - ich bin schon immer ein Mensch gewesen, der Freude an einem Garten hatte, ja man könnte sogar sagen, ich bin ein Garten - Liebhaber! Es handelt sich hier auch genau um diesen Garten, von dem ich bereits in meiner ersten Episode berichtete. Da es ja mit einer kleinen Einschränkung, mein erster Garten war, war die Liebe und verbundenheit zu diesem Garten besonders groß und die Kraft und Zeit die ich hier inwestiert habe, sah ich weder als Belastung, noch als Pflicht an, sondern nur einfach als Freude und Erholung. Aber dieser Garten war eben nur gepachtet und so kam es eben, wie es kommen mußte, wenn man meint seinen Garten nun soweit im Griff zu haben und nun mit dem Genuss seiner Arbeit langsam zu beginnen. Also kurz gesagt, es flatterte eines schönen Tages eine Aufkündigung der Pacht ins Haus. Es sollte auf dem ganzen Gelände ein neues Industrie und Einkaufs - Gebiet entstehen. Ich weiß nicht mehr genau wieviel Zeit wir noch hatten, um uns mit dieser Tatsache abzufinden. So wurden wir aufgefordert alle Obstbäume, Büsche, Pflanzen und andere Inwestionen schriftlich einzureichen, um eine entsprechende Entschädigung zu erhalten. Als wir dies alles getan hatten und auch die Entschädigung erhalten hatten, war somit für uns das Pachtrecht erloschen und es bestanden keinerlei Rechte und Pflichten mehr für diesen Garten. Nun war es aber leider so, dass es gerade die Zeit war, in der die Früchte des Gartens anfingen zu reifen und somit ja auch die Frucht unserer bisheriger Arbeit in greifbare Nähe rückte. Viele der Nachbaren hatten ja sofort alle Tätigkeiten in ihren Gärten ruhen lassen.  Andere legten lieber ihre Hände in den Schoß, oder ließen sich überhaupt nicht mehr sehen. Anders war es eben bei uns, wir waren mit unserem Garten so stark verbunden, das wir natürlich nicht von heute auf morgen alles liegen lassen konnten, sondern, es blieb eben immer noch unser Garten. Es passierte ja auch wirklich gar nichts, Keine Bagger, keine Vermessung , alles war wie immer. Nun kam endlich die Erdbeer - Ernte, die sind nun mal immer die ersten Früchte und das war ja für uns und unsere Kinder die größte Freude. Wir hatten also Glück und konnten trotz der Kündigung noch einmal Erdbeeren ernten. Unser Erdbeer - Stück war nicht gerade klein und so warteten wir auf die ersten Erdbeeren. Ich weiß nicht ob es je ein Mensch versteht, denn es war für uns ein furchtbarer Anblick, als wir in die Nähe unseres Erdbeer - Stückes kamen, fremde Gestalten sahen wir in unseren Erdbeeren pflückend und essend machten sie sich über die Beete her. Immer schneller versuchten wir an den Ort des Grauens zu gelangen, um dann mit entsetzen feststellen zu müssen, dass es auch noch unsere einstigen Nachbarn waren, die sich hier eifrig bedienten. Natürlich machten wir unserem Unmut Luft und versuchten sie mit mancherlei Argumenten zu einem Einsehen zu bewegen, aber leider ohne Erfolg. Ihr einziges und natürlich auch berechtigte Argument war, dass wir ja alle entschädigt wurden und somit nicht mehr uns gehöre. Recht hatten sie Ja, - aber als Nachbarn, - Ich weiß nicht, so was macht man doch nicht, oder? Auf alle Fälle hat es mich so sehr gewurmt und ließ mir keine Ruhe, noch dazu, dass ich ja überhaupt nichts machen konnte, außer mich ärgern. Es ging mir nicht aus dem Kopf, alles drehte sich um diese Frechheit, bis ich auf einmal eine Blitz - Idee hatte. Schließlich war ich doch Bäcker, also was lag da näher als Mehl! - Ich sagte zu meiner Frau, gib mir mal einen alten Perlon Strumpf. Entsetzt sah mich meine Frau an, meinte wohl ich sei nun irgend wie verwirrt oder was, bis ich ihr mein Vorhaben erleuterte. Gesagt, getan! - Ich füllte den Strumpf mit Mehl und begab mich am Abend zu meinen Erdbeeren. Als hier nun wieder Ruhe in den Gärten herschte, begann ich mit meiner Aktion. Reihe für Reihe bestäubte ich die Erdbeeren mit dem Mehlstaub, - es sah wirklich gefährlich aus und wer es nicht wußte, würde bestimmt nicht von diesen Beeren etwas zu sich nehmen, sondern dann doch lieber auf ein anderes Beet ausweichen, denn es gab ja noch andere Gärten in dieser Kollonie. Zufrieden mit meiner Arbeit, machte ich mich wieder auf den Heimweg, ohne dass ich mir ein leichtes Schmunzeln nicht verkneifen konnt. Ich war sehr gespannt, ob meine Aktion auch ein Erfolg haben würde, oder doch nur eine Lachnummer war. Da die Erdbeeren ja in dieser Zeit Täglich reifen, machten wir uns natürlich am Abend auf, um zu sehen ob es was zu ernten gab oder nicht. Wir hatten ja keine Eile, denn schließlich sollte ja auch  keiner sehen, wie wir hier die "vergifteten" Erdbeeren ernten, vorausgesetzt es gibt was zu ernten. Als wir dann endlich voller Hochspannung den Garten erreichten und niemanden auf unserem Feld sahen, war die Spannung unerträglich und unsere Schritte wurden immer schneller. Endlich hatten wir das Feld erreicht und unsere Erwartungen wurden wirklich übertroffen, es schien, als ob das Feld unberührt war, alles war noch weiß, keine zertrampelten Büsche, keine abgerissenen Beeren, nichts war geschehen. Eilig begannen wir uns über die Früchte her zu machen und unsere Körbe zu füllen. Freudig und fröhlich zogen wir mit gefüllten Körben nach Hause, aber vorher bestäubten wir noch einmal unser Feld ganz leicht mit dem gefüllten Perlonstrumpf! Diesen Vorgang wiederholten wir noch ein paar mal, bis die sich die Ernte dem Ende zu neigte. Ich hatte einmal einen Arbeitskollegen, wir nannte ihn immer "Hasen -Kapo", der sagte immer: "Mehl macht dumm"! - Ich muss heute noch darüber lachen, wenn ich daran denke und diese Episode zum besten gebe, also wird wohl der Ausspruch vom "Hasen -Kapo" nicht ganz stimmen, Oder? -