Mein Computer und ich!
( Von D. D. )
 
Mein Computer und ich, wir zwei sind ein starkes Team. Das heißt, mit Einschränkungen, denn manchmal stehen wir zwei ganz schön auf Kriegsfuß und dann ist es bald so wie in einer normalen Ehe, mal lieben wir uns und mal hassen wir uns!- Aber um meine Geschichte besser zu verstehen, muss ich erst einmal voraus schicken, dass ich mich bereits im fortgeschrittenem Alter befinde und kurz vor meinem 70. Geburtstag stehe. Vielleicht kann ich bei meinen gleichaltrigen Lesern ein mitfühlendes Kopf nicken ernten, wobei ich wohl bei den jüngeren, die heute bereits in der Schule mit dem Computer leben, für mich, oder über mich, nur ein mitleidiges lächeln haben werden. Aber damit muss ich - und kann ich ganz gut leben. Soviel zu meiner Einleitung.

Alles begann vor ein paar Jahren. Meine Söhne, die natürlich bereits in einem Alter sind, in dem sie bereits selber schulpflichtige Kinder haben, verfügen somit auch wie selbstverständlich jeder über einen Computer. Also kam für sie einmal die Zeit, da ihnen ihr Computer einfach zu klein, zu langsam und ihren Ansprüchen nicht mehr genügte. Was lag also näher, als mir ihren alten Computer mit viel Überredungskunst, schmackhaft zu machen. Du könntest dann deine ganzen Schreibarbeiten mit dem Computer machen, brauchtest keine Schreibmaschine mehr, auf der du deine Tip-Fehler immer entfernen musst, alles wäre sofort fertig und für deine Ansprüche, da reicht er noch allemal. Da ich relativ viel schreibe und die halbe Verwandtschaft mit Gedichten und anderen schriftlichen Spitzfindigkeiten erfreue, trafen sie mit ihrer Aussage bei mir genau den richtigen Punkt, mir blieb genau genommen überhaupt nichts anderes übrig, als den Vorschlag anzunehmen. Ruck- zuck, stand bei mir auf einmal ein Computer, an dessen Anblick ich mich erst noch gewöhnen musste. Schnell war alles angeschlossen, erste Instruktionen erteilt und schon durfte ich mit leichtem Druck, zum ersten mal vor dem Computer Platz nehmen. Ein erhebendes Gefühl, zwischen Stolz und Angespanntheit überkam mich. Nun kam der Moment, da ich beweisen sollte, dass ich nun auch meinen Computer beherrsche und alle Anweisungen nun auch fruchteten. Also, erst mal den großen Schalter einschalten, etwas warten, bis sich alles auf dem Bildschirm zur Ruhe gesetzt hat, dann mit der Maus, die ja damals nur eine Taste hatte, so auf der Unterlage verfahren, bis der Pfeil auf das gewünschte Gebiet zeigt, das ich für meine Arbeit benötige. Nun mit einem Doppelklick das ganze zur Anzeige aufrufen. Toll, das klappte ja hervorragend und alle waren begeistert. Ist doch eigentlich gar nicht so schwer, dachte ich und war mächtig stolz auf mich! - Aber kaum waren meine Söhne gegangen, begannen auch schon die ersten Probleme. Das Schreiben ging ja ganz gut, wenn auch nur mit zwei Finger Suchsystem, aber das kannte ich ja schon von der Schreibmaschine her. Aber ich traute dem Computer noch nicht ganz, kann er das auch wirklich alles richtig wiedergeben? Ich weiß nicht! Irgendetwas stimmt da nicht, auch die Schrift ist für meine Augen viel zu klein! Wie war das noch, - da oben konnte man doch die Schriftgröße einstellen, also probiere ich mal. Schriftgröße 14 müsste eigentlich reichen, prima, klappt doch, oder nicht? Was ist mit der alten Schrift, warum ist die immer noch klein! Wie sieht das jetzt aus, zweierlei Größen, so kann ich das doch nicht lassen!- Soll ich das vielleicht wieder löschen, nein, ich mache erst mal weiter, später kann ich ja noch meinen Sohn anrufen, der weiß bestimmt eine Lösung. Für heute sollte es reichen, also Computer ausschalten. Am nächsten Tag, wollte ich stolz meiner Frau vorführen was ich schon alleine zuwege gebracht habe. Aber was ist bloß los, ich konnte meine mühsam eingetippte Arbeit nicht mehr finden, alles war wie von Geisterhand verschwunden. Plötzlich viel es mir wieder ein, was hatte mein Sohn zu mir gesagt: „vergiss aber nicht das abspeichern“! Natürlich, das war es, ich hatte es in meiner großen Euphorie einfach vergessen. Aber das passiert mir nicht noch einmal, das war mir eine Lehre!- Fürs erste war ich erst mal bedient, musste ein paar Tage Pause einlegen, bis die große Enttäuschung verflogen war. Aber ich prägte es mir ein, abspeichern nicht vergessen. Heute kann ich nur darüber lachen, denn die Computer sind ja so hervorragend und leicht zu handhaben, dass man sich über solche Kleinigkeiten keine Gedanken mehr machen muss. Trotzdem gab es immer mehr Hürden, die mich fast zur Verzweiflung brachten und ich weiß gar nicht mehr wie oft ich meine Kinder genervt habe, mit meinen immer wieder neuen Problemen. Wer einen Computer hat, wird sich vielleicht noch an seine Anfänge und den daraus entstandenen Problemen erinnern. Wie oft habe ich aus lauter Frust den Computer einfach abgeschaltet und mich einer anderen Beschäftigung zu gewand. Aber ich gab nicht auf, es trieb mich dann doch wieder zu ihm und wir lernten uns immer besser zu verstehen. Das waren so meine ersten Erfahrungen die ich mit dem Computer gemacht habe. Inzwischen habe ich bereits den dritten abgelegten Computer!- Entschuldigung, bei meinen Kindern heißt er ja „Rechner“! Also gut, dann eben Rechner! Doch jetzt wird es für mich interessant, denn meine Söhne meinten, ich brauche jetzt unbedingt Internet. Da es kurz vor meinem Geburtstag war, wurde die ganze Verwandtschaft mobilisiert und so stand tatsächlich ein neuer Rechner auf meinem Gabentisch. Von nun an besitze ich einen neuen Rechner, bin im Internet, habe eine E-Mail Adresse und bin nun Online!- Nach vielen Hürden, die wir vorher nicht bedacht hatten, bin ich nun tatsächlich mit der Welt verbunden. Da wir bei uns leider kein DSL bekommen können, mussten wir uns mit einer ISDN-Leitung zufrieden geben, die natürlich bedeutend langsamer ist, aber ich bin ja Rentner und habe Zeit,- meinten meine Söhne. Nun überlege ich noch, ob ich nicht noch einen Kurs belegen sollte, um meinen Rechner besser nutzen zu können. Ich hatte vorher keine Ahnung, was so ein Computer alles nach sich ziehen kann. Häppchenweise wurde mir klar gemacht, dass es mit dem Rechner alleine nicht getan ist, sondern ohne den notwendigen Zubehör bist Du total eingeschränkt und gehandicapt. Ich wollte das natürlich auf keinem Fall sein, denn so sind wohl auch alle Sprichwörter entstanden, von denen eins lautet, wer den ersten Schritt macht, muss auch den zweiten tun. Es wurde also nacheinander angeschafft: Flachbildschirm, Drucker, Scanner, Druckerpapier, Fotopapier, Ablagekästen, leere CDs, CD Garagen, DVDs. Aber das war ja noch nicht alles, sondern einen neuen Computertisch mit dazugehörigen Seitenkästen waren genau so notwendig, wie eine Digital-Kamera, na klar, das braucht man halt um mithalten zu können. Ich dacht, so nun habe ich alles was man so braucht, Hustekuchen, jetzt ging es erst richtig los!- Als passte nicht mehr so richtig zusammen, die Möbel, die gehörten doch schon lange auf den Müll, Die Wände, der Fußboden, alles beißt sich doch mit dem neuen Computer und Computertisch. Was nun kam, kann sich jeder denken. Die Möbel fanden ihre letzte Ruhe, der Fußboden wurde neu mit Laminat ausgelegt, Die Wände bekamen einen neuen Rauputz, plötzlich hatten wir ein richtiges Büro und ich saß in meinem fahrbaren Chefsessel, wie ein richtiger, wichtiger Manager. Eigentlich hatte ich geglaubt, mit siebzig kehrt endlich Ruhe in mein Leben ein, aber davon kann keine Rede mehr sein, denn mir bleibt kaum noch Zeit meinen anderen Arbeiten nach zu gehen. Ein paar mal am Tag muss ich nachschauen ob Mails angekommen sind, dann sofort wieder auf die Mails antworten. Schließlich sollen meine Partner auch nicht ewig auf eine Antwort warten. Auf alle Fragen meiner Frau muss ich jetzt eine Antwort haben, denn schließlich habe ich ja Internet und bei Google findest du auf alles eine Antwort. Ach so, dann gibt es auch noch Ebay, da könnte man doch auch mal nachschauen, ob es nicht gerade das gibt, das man so dringend braucht. Wie war das eigentlich vor meiner Computer Zeit? War es da eigentlich besser? Und was kommt eigentlich danach? Muss ich vielleicht noch einmal umlernen? Ich darf diesen Gedanken gar nicht zu Ende denken, aber wer weiß – Wie heißt gleich der Werbespruch:

„Wir sind doch noch jung – wir haben doch Zeit “! –
 
           M., den 07.07.06  
 
 
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 Meine Weihnachtsgeschichte 

             ( von D. D. )
 
 Es war letztes Weihnachten, also 2005. Unsere ganze Familie war am heiligen Abend, so wie all die anderen Jahre auch, um den Christbaum versammelt und warteten auf die Bescherung, das heißt, zum größten Teil wohl mehr unsere drei Enkelkinder. Um die Zeit zu überbrücken, sangen wir zwei, oder drei Weihnachtslieder, so wie sonst auch. Die Enkelkinder trugen auch noch ein Liedchen vor, das sie noch am Tag über eingeübt hatten und der Bub überraschte uns noch mit einem Weihnachtsgedicht. Ich muss dazu sagen, dass unsere Enkelkinder aus zwei Mädchen und einem Buben bestehen, wobei der Bub fast 13 Jahre und die Mädchen 14 ein halb und 9 Jahre alt waren. Aus dieser Stimmung heraus, fiel mir meine eigene Kindheit wieder ein und so sagte ich spontan: „ soll ich euch mal meine Weihnachtsgeschichte erzählen“? Oh ja Opa, kam es wie aus einem Mund, bitte erzähl uns Deine Geschichte! Also gut sagte ich, ich werde sie Euch erzählen! Alle drei Enkel platzierten sich um mich herum, die Kerzen am Weihnachtsbaum brannten und es zog eine behagliche, erwartungsvolle Stille in unser Weihnachtszimmer ein. Sogar meine Frau und meine drei Söhne mit ihren Frauen schauten mich mit großen Augen an, als ob sie sagen wollten, was für eine Geschichte willst Du uns denn erzählen, wir kennen doch bestimmt schon alle Deine Geschichten! Aber es sagte niemand etwas, was mir ein heimliches Schmunzeln entlockte. Also begann ich zu erzählen!
Es war damals, als ich selber noch ein Kind war, so ungefähr in dem Alter, wie Ihr es heute seid. Und es war die Zeit, als Deutschland den Krieg verloren hatte und wir unsere Heimat verlassen mussten. Unsere Mutter flüchtete mit uns Kindern mit Pferd und Wagen vom heutigen Polen, nach Mecklenburg. Wir waren Fünf Kinder im Alter von einem halben Jahr bis elf Jahre. Bei Verwarnten in einem kleinen Dorf. fanden wir eine neue Heimat. Es war eine schlimme Zeit, nicht nur für uns, sondern wohl ganz besonders für unsere Mutter. Sie musste Tag für Tag zu den Bauern auf die Felder gehen, oder in den Scheunen dreschen helfen, denn wir fünf Kinder wollten jeden Tag etwas zu Essen haben und das gab es nur bei den Bauern. So vergingen einige Jahre, Deutschland wurde durch die Siegermächte geteilt in West - und Ost – Deutschland. Wir hatten leider das Pech, uns im Osten von Deutschland nieder gelassen zu haben, das von den Russen verwaltet wurde. Die meisten unserer Verwarnten hatten zu dieser Zeit das Glück, im Westen zu wohnen, der von den Amerikanern verwaltet wurde. Im Gegensatz zu uns, gab es bei ihnen Sachen, von denen wir nur träumen konnten, oder nur vom erzählen her kannten. Natürlich blieb das unserer Verwandtschaft in dieser Zeit nicht verborgen, so das sie uns zu bestimmten Anlässen, wie zum Beispiel Weihnachten, Ostern, Konfirmation oder manchmal auch ohne bestimmten Anlass, uns mit einem wunderbaren Paket, oder Päckchen überraschten. In der Hauptsache schickten sie uns Sachen zum Essen, aber immer waren auch Süßlichkeiten wie Schokolade, Bonbon und Apfelsinen dabei, auf die wir uns natürlich ganz besonders freuten. Genau so war es auch dieses mal, es war kurz vor Weihnachten und wir warteten wie immer auf den Briefträger. Wenn die Pakete nicht zu groß waren, brachte der Briefträger noch die Päckchen auf dem Fahrrad mit und wir Kinder konnten schon beim abstellen des Rades auf den Päckchen lesen, wer heute ein Päckchen bekommt. Natürlich rannten wir Kinder schnell zu den betreffenden Leuten, die ja fast alle Kinder hatten und die wir selbstverständlich alle kannten, um ihnen die Neuigkeit sofort mitzuteilen. Die Freude war groß, als wir eines Tages ein Paket auf dem Rad entdeckten, das an uns adressiert war,
 aber der Weg bis zu uns nach hause schien endlos weit zu sein, bis die Postbotin endlich bei uns angelangt war und uns das Paket überreichte. Nun begann für uns eine lange Leidenszeit, denn niemals hätten wir es gewagt, das Paket zu öffnen, oder auch nur die schönen festen Schnüre zu zerschneiden. Wir hatten einfach zu warten, bis unsere Mutter von der Arbeit vom Feld nach hause kam, aber auch dann würde es noch eine unendlich lange Zeit dauern, bis unsere Neugierde gestillt würde. Die Nachricht von dem West-Paket machte natürlich in so einem kleinen Dorf schnell seine Runde und drang, wie auch immer, bis zu dem Bauern, bei dem unsere Mutter arbeitete vor. Was wir natürlich nicht bedachten, war, das es ja kurz vor Weihnachten war und somit für uns das öffnen des Paketes nicht stattfand.                                                                  
Unsere Mutter wartete also mit dem öffnen solange, bis wir Kinder alle eingeschlafen waren. Da wir aber nur ein Zimmer und eine Küche hatten, war es natürlich schwierig für unsere Mutter, das Paket so zu verstecken, das wir neugierigen Racker nicht schon vor dem Fest an den Inhalt gelangten. Aber was blieb der armen Mutter anderes übrich, als das Paket unter dem Bett zu verstauen. Es gab eben keine anderen Verstecke, denn unsere Einrichtung war ja auf das allernötigste beschränkt, außer Betten und einen Schrank, gab es keine anderen Möbel im Wohnzimmer, wobei es ja gleichzeitig als Wohn – und Schlafzimmer diente. Aber selbst in der Küche, war es ja noch viel unmöglicher, etwas derartig großes zu verstecken. Wie jeden Tag ging unsere Mutter wieder den ganzen Tag aufs Feld und wir Kinder waren mit unserer Neugierde alleine zu hause. Den Versteck hatten wir relativ schnell ausgemacht, was ja auch keine große Leistung bedeutete, aber den zweiten Schritt zu machen, also das Paket wieder zu öffnen, um nach zu schauen, dazu fehlte uns nun doch noch der Mut. Immer wieder zogen wir das Paket vor, rochen daran, schüttelten ein wenig, natürlich sehr vorsichtig und spekulierten darüber, was da wohl dieses mal drinnen sein könnte, weil ja bald Weihnachten ist und es die Mutter dieses Mal ganz alleine angeschaut hat. Ich weiß es nicht mehr genau, aber ich glaube das ich der treibende Keil war, der meinen großen Bruder und meine ältere Schwester soweit brachten, das wir, als wir drei einmal allein zu hause waren, den Mut fasten und das Paket öffneten. Ich weiß es noch wie heute, wir saßen vor dem Bett und schnürten das Paket voller Spannung, Aufregung und angespannter Erwartung auf. Es war genau so, wie bei den anderen Paketen auch, es bestand aus Esswaren, Schokolade,in Seiden-Papier eingewickelte Apfelsinen, Kekse und noch anderen Sachen, an die ich mich heute nicht mehr erinnere. Unsere Freude war natürlich schon groß, aber eigentlich hatten wir ja mit einer umwerfenden Überraschung gerechnet, die wir uns in den letzten Tagen schon in den schönsten Farben ausgemalt hatten. Doch plötzlich spürten wir noch etwas unter dem Papier, mit dem das Paket ausgeschlagen war, wir hoben also das ganze Papier an, so dass wir mit der Hand unter das Papier fassen konnten. Doch was wir da zum Vorschein brachten, verschlug uns bald die Sprache. Zwei wunderschöne Taschen-Messer, eines mit einer roten und eines mit einer blauen Schale. Für uns stand da sofort fest, diese beiden Taschenmesser sind für mich und für meinen großen Bruder bestimmt. Meine beiden Schwestern kamen ja sowieso nicht in Frage, denn das sind ja Mädchen, die brauchen doch keine Messer und unser jüngster Bruder ist ja für ein Taschenmesser noch viel zu klein. Also war somit alles klar, nur mit der Farbe, das stand noch nicht fest, weil ja die Mutter auch noch ein Wörtchen mit zu reden hat, aber wir können sie ja noch austauschen, da werden wir uns schon noch einig. Alles wurde wieder sorgfältig eingeräumt und verschnürt, so dass unsere Mutter ja nichts von unserem verbotenen Eingriff bemerkt. Mit dem Wissen, über unser zukünftiges Geschenk, wurde die Zeit bis Weihnachten fast unerträglich, noch dazu, das man niemanden etwas davon erzählen konnte, war wohl die schlimmste Zeit, an die ich mich erinnere. Niemand im ganzen Dorf würde ein so schönes Taschen-messer besitzen und jeder wird uns darum beneiden. Unser Ansehen und Respekt wird sich in unserer Altersgruppe so um ein Beträcht-liches steigern lassen. Wir schwiegen also, auch wenn es uns sehr, sehr schwer viel. Aber alle Leidenszeit hat auch einmal ein Ende und es kam, wie nicht anders zu erwarten, der Heilige Abend, also der Tag der Bescherung. Wie immer wurden wir Kinder aus dem Zimmer geschickt, damit das Christkind auch in das Weihnachtszimmer kommen kann und die Geschenke unter den Tannen-baum legen kann. So saßen wir fünf Geschwister in der Küche und lauschten angestrengt, um vielleicht etwas zu erhaschen, ein Geräusch, oder irgendetwas, aber nichts dergleichen passierte. Endlich war es so weit, unsere Mutter kam in die Küche und sagte zu uns, das Christkind war da, ihr könnt jetzt ins Weihnachts-zimmer gehen. Mit den kleineren Geschwistern zuerst betraten wir voller Andacht das Zimmer, die Kerzen am Weihnachtsbaum brannten, das ganze Zimmer lag in einem ganz besonderen Licht, alles wurde in eine warme und andächtige Stimmung verwandelt. Wir starrten wie gebannt auf den Lichterbaum, aber unsere Augen suchten bereits unter dem Christbaum nach den vielen Päckchen, um auszumachen, welches Päckchen wohl für wen bestimmt war. Wir wollen zuerst noch ein Weihnachtslied singen, sagte unsere Mutter und dann dürft ihr schauen, was euch das Christkind gebracht hat. Ich weiß auch nicht mehr was wir gesungen haben, denn meine Gedanken und Augen waren auf andere Sachen konzentriert.
 Endlich kam der Augenblick, auf den wir nun schon so lange gewartet hatten, endlich hatte auch jeder sein Päckchen gefunden und begann mit dem Auspacken. Wir waren ja nicht verwöhnt und hatten auch keine großen Erwartungen, weil es die Zeit damals nicht erlaubte, große Ansprüche zu stellen. Aber bei mir war es ja anders, ich wusste ja schon, was ich bekommen werde, also war es ja nur eine Frage der Zeit, bis ich mein ersehntes Geschenk in den Händen halten werde und ich mich dann auch richtig freuen kann. Aber ich konnte das Taschenmesser nicht sehen, war ich vielleicht zu aufgeregt, oder lag es vielleicht noch unter einem Papier? Nichts, wo ist das Messer? Ich schaute zu meinem Bruder hinüber, hatte er sein Messer schon ausgepackt? Aber auch mein Bruder machte ein so komisches Gesicht, hatte er etwa auch kein Messer bekommen? Es sah fast so aus. Meine Augen wanderten zu meinen anderen Geschwistern, hatte die Mutter vielleicht die Pakete verwechselt? Bekamen etwa die Mädchen jetzt die Taschenmesser? Nein, auch die Mädchen hatten die Messer nicht bekommen, was war nur los? Wo sind die Messer geblieben? Wie konnte ich mich jetzt noch freuen! Hätte ich doch vorher nie nachgesehen, ich kann doch die Mutter jetzt nicht nach den Messern fragen, es war eine verfahrene Situation, mir schwirrte allerlei durch den Kopf. Vielleicht hatte unsere Mutter die Messer gegen Brot oder Fleisch eingetauscht, das wäre natürlich auch möglich. Mein Bruder und ich waren natürlich sehr enttäuscht, aber wir konnten uns das ja nicht anmerken lassen. Die Weihnachtsstimmung war auf einmal sehr gedrückt, denn auch unsere Schwester merkte nun dass wir die Messer nicht bekamen und darüber sehr traurig waren. Wie sollten wir uns jetzt verhalten, um uns nicht zu verraten, oder sollten wir einfach gestehen, das wir in das Paket geschaut haben! Wir waren verzweifelt, aber eine Mutter merkt natürlich wenn etwas in der Luft liegt, denn sie kennt ja ihre Kinder genau und es kann ihr niemand etwas vormachen. Es dauerte wohl eine ganze Weile, bis uns die Mutter fragte, was denn mit uns los wäre, aber wir drucksten herum und konnten es einfach nicht sagen. Mit der Zeit legte sich die Spannung und die Atmosphäre wurde gelöster, so das wir anfingen zu flaxen und zu necken.
Also etwa so, na, zeig mal Dein schönes Messer, oder, hast Du Dein Messer etwa schon wieder verloren? So ging es einige Zeit, bis es unserer Mutter zu bunt wurde und nach einer Erklärung verlangte. Ich glaube, es war unsere Schwester, die den Mut hatte und zur Mutter sagte, die Jungens warten immer noch auf die Taschenmesser! – Was für Taschenmesser, fragte die Mutter. Nun mussten wir gestehen, dass wir an dem Paket waren und die Messer gesehen hatten. In dem Paket waren keine Taschenmesser, sagte meine Mutter, ich habe keine gesehen! Doch, sagten wir, da waren zwei Messer drin, wir haben sie doch gesehen! – Unsere Mutter ging zum Bett, bückte sich und holte das leere Paket unter dem Bett hervor. Seht doch, das Paket ist doch leer, ich weis nicht was ihr gesehen habt! Wir stürzten uns sofort auf das Paket, denn wir wussten ja genau wo sich die Messer befanden und hoben das Papier hoch. Sofort griffen wir die Messer, die immer noch unter dem Papier lagen und zeigten sie unser Mutter, der vor lauter staunen die Sprache weg blieb. Als sich unsere Mutter wieder gefasst hatte, musste sie gestehen, dass sie die Messer einfach übersehen hatte. Natürlich durften wir die Messer behalten und es gab auch kein böses Nachspiel für uns, denn es war ja Weihnachten! Auch für uns wurde es nun doch noch ein schönes Weihnachtsfest und stolz zeigten wir allen unser schönes Weihnachtsgeschenk und unseren besten Freunden erzählten wir auch noch unsere unglaubliche Weihnachtsgeschichte! -
 
M., den 28.04.2006
 
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