Erika zum 50. Geburtstag 

 

Fünfzig Jahre, ich glaub ich spinn, -

was ist bloß los, - wo willst Du hin? –

Hast Du denn den Verstand verloren –

zieht’s Dich jetzt auch zu den Senioren? –

 

Ich hab’s gewusst, - Du bist von Sinnen, -

mit „50“ fängt man an zu spinnen, -

weil die Hormone, diese schlauen,

Deinen ganzen Körper jetzt versauen! –

 

Das größte ist – und das ist toll –

und alle finden’s wundervoll, -

Du hast ab heut den „schwarzen Peter“ –

und feierst das wie’n durchgedrehter! –

 

Du könn’st noch gut 10 Jahre so leben –

und langsam dann nach „50“ streben, -

kein Schwein merkt Dir Dein Alter an, -

ich glaub nicht mal Dein Jägersmann! –

 

Du weißt, - man kann die Zeit tuschieren, -

vor allem kann man’s  ja  probieren, -

ob’s wirkt, - oder gefruchtet hat, -

steht meistens auf einem anderen Blatt! –

 

Der Körper lässt sich nicht belügen, -

Du musst Dich in Dein Schicksal fügen, -

drum lass den Dingen ihren Lauf –

und nimm die „50“ halt in Kauf! – 

 

Doch morgen schon, - oh Erika, -

da wird Dein Leben wunderbar, -

der Druck der Jugend fällt dann ab –

mit „50“ kommst Du erst in Trapp! –

 

Merkst plötzlich wie es zwickt und reißt, -

mal vorne drückt und hinten beißt –

und jedes Leiden, lass Dir sagen, -

wirst Du ab heut nach Hause tragen! –

 

Ganz leise fängt das Elend an –

und pirscht sich sacht an Dich heran, -

Du spürst es, - willst es noch nicht glauben, -

doch wird es Dir den Schlaf bald rauben! –

 

Der Rost beginnt ganz leis’ zu nagen, -

die Beine wollen Dich nicht mehr tragen, -

die Haare grau, - der Rücken krumm, -

kein Schwanz dreht sich mehr nach Dir um! –

 

Wir wollen das Kind beim Namen nennen, -

ab heute bist Du aus dem Rennen, -

bist nun ein „Oldie“, - halb verblichen –

und aus der Hitliste gestrichen! –

 

Vorbei die Zeit der Miniröcke, -

wer auf Dich steht, - sind „alte Böcke“, -

da hast Du noch ein Stein im Brett, -

doch das macht auch das Kraut nicht fett! –

 

Du läufst im Angebot – für wahr, -

nur unter „schwer vermittelbar“, -

nicht mehr belastbar, - schwächelt schon, -

falls noch Bezahlung, - halber Lohn! –

 

 

Du bist nicht mehr der Frühlingsblütler! –

Ab heute, - nur noch „Ladenhüter“, –

der ausrangiert und ausgeblichen –

und aus dem Sortiment gestrichen! –

 

Die Jugend hat ab jetzt das sagen, -

Dich braucht man nur zum Lasten tragen –

und bei der Arbeit, - unverschuldet, -

wirst Du ab heut, - nur noch geduldet! –

 

Doch solltest Du noch Fehler machen, -

wird man voll Mitleid drüber lachen –

und jeder sagt: Das ist doch klar, -

sie ist ja auch schon „50“ Jahr! –

 

Doch „50“ ist nur eine Zahl, -

die Zeit danach, - wird erst zur Qual –

einen Vorgeschmack will ich Dir geben,

vorausgesetzt Du wirst’s erleben! –

 

Ab „50“, - schrumpft die Haut extrem, -

es stört nicht bloß, - ist auch nicht schön! –

 

Ab „50“, - das weiß man genau, -

da stirbt der Trieb bei einer Frau! –

 

Ab „50“, - blüht die Osteoporose, -

und bringt noch Farbe in die Hose! –

 

Ab „50“, - ich sag’s mal gelinde, -

da sparst Du schon so manche Binde! –

 

Ab „50“, - fehlt manch Zahn im Mund, -

doch bissig wie ein Kettenhund! –

 

Ab „50“, - das weiß jeder Mann, -

lässt Dich ‚ne Frau nur sonntags ran! –

 

Ab „50“, - schlemmen Frauen richtig, -

das macht sie rundlich und gewichtig! –

 

Ab „50“ das ist richtig fad, -

da kriegen Frauen meist ein Bart! –

 

Ab „50“, - gehen Frauen kuren, -

denn schließlich wollen sie auch mal huren! –

 

Ab „50“, - hört die „Regel“ auf, -

ist nicht so schlimm- wir nehm’s in Kauf! –

 

Ab „50“, - fallen die Haare aus, -

nicht nur am Kopf, - auch an der Maus! –

 

Ab „50“,- wird die Schleimhaut trocken, -

das stört beim schnauben – und beim bocken! –

 

Ab „50“, - wird die Frau zum Manne, -

da bringt sie’s noch mal – volle Kanne, -

 

Ab „50“, - das find ich jetzt nett, -

da schläft der Pax – statt Kurt im Bett! –

 

Ab „50“, - zählt bei Frauen nur, -

ein Häuschen, Geld und Konto pur! –

 

Ab „50“, - braucht man nur ‚ne Frau, -

zum putzen, waschen und zur Schau! –

 

 

Das war ein Teil der Dich erwartet, -

bevor Du auf die „60“ startest, -

denn wenn Du weißt was kommen kann, -

da gehst Du es ganz anders an! –

 

Ich weiß, - es ist für Dich ein Schmerz –

und trifft gezielt genau ins Herz, -

es frist und nagt an Deinen Nerven –

und wird nur Deine Sinne schärfen! –

 

Voll Trotz stellst Du Dich vor den Spiegel, -

ergreifst vertraut den alten Striegel, -

bürstest, schminkst und putzt Dich raus, -

den Tanga an, - die Pumper aus! –

 

Die Jeans komm’ in die Wäschetruhe, -

ein scharfes Kleid, - paar neue Schuhe, -

und für die Hasen, - diese schlaffen, -

da muss ein „Push Up“ Hilfe schaffen! –

 

Ein Lidschatten wird aufgelegt, -

die Nägel lila, - weil man’s trägt, -

ein „Brilli“ in die Nasenwand –

und Modeschmuck an jede Hand! –

 

Die Fußnägel werden pedikürt, -

die Achselhöhlen noch rasiert, -

ums Fußgelenk ein Kettchen zart, -

„Bikini –Schnitt“ am „Muschelbart“! –

 

Auf Arm und Schulter ein Tatoo, -

ein T-Shirt – bauchfrei noch dazu

und das man Dich auch wirklich sieht, -

‚ne Reval ins Maul, - was immer zieht! – 

 

 

Jetzt wird der Gang noch korrigiert, -

damit man auch die Jugend spürt, -

lässt Du die prallen Hüften kreisen, -

denn das erwärmt manch altes Eisen! – 

 So fühlst Du Dich, - das ist doch klar, -

bestimmt wie „25“ Jahr, -

nur hältst Du es nicht lange aus, -

dann komm’n die „50“ wieder raus! –

 

Das grau der Haare kommt schon wieder, -

der Schmerz befällt die alten Glieder, -

Migräne macht sich wieder breit –

und auch die Jeans verdrängt das Kleid! –

 

Die Schuhe, - die so schön bequem, -

sie dürfen wieder Gassi gehen –

und auch der feine Seidenslip, -

der wechselt jetzt zum Baumwoll - Ripp! –

 

Das Leben das ist wirklich hart –

und keinem bleibt das wohl erspart, -

da musst Du durch, - fällt es auch schwer, -

das Leben ist kein Kuschelbär! –

 

Was soll’s – Du hast es doch noch schön, -

hast von der Welt schon viel geseh’n, -

hast eine Wohnung, - keine Schulden, -

zwei „Junge“, - die einen Hausfreund dulden! –

 

‚Ne schöne Rente, - noch vom „Alten“-

und Eltern, - die zur Stange halten, -

hast Arbeit, Freunde, siehst gut aus, -

fühlst Dich im Wasserbett zu Haus’! 

 

Bist Hundeführer, Fährtenleger, -

Putzfrau, Dienstmag, Wasserträger, -

Flintenweib und Wegbegleiter –

und schon bald Filiale-Leiter! –

 

Bist Geliebte, - trotzdem frei, -

steht’s bei jedem Scheiß dabei, -

Köchin, Kumpel, Rassefrau –

und fürs Alter, - ziemlich schlau! - 

 

Kennst Dich aus bei Fleisch und Knochen, -

schaffst jetzt nur noch 1000 Wochen, -

hast ein Hund, - der Dich mal leckt –

und den Heinisch, - oh verreck! –

 

Spurst Du nicht – und brichst mal aus, -

oder kommst mal nicht nach Haus, -

hat der Kurt auch schon im Sack, -

das berühmte „Teletack“! –

 

Alles trägst Du mit Geduld, -

ich sag’s bissig, - selber Schuld, -

reibst Dich auf in jedem Falle –

und bist doch der „Arsch“ für alle! –

 

Doch ab morgen, rat ich Dir, -

sei nicht mehr das Arbeitstier, -

lass mal fünfe gerade sein –

und denk mal an Dich allein! –

 

Genieß die Zeit in vollen Zügen, -

feiere, - dass die Balken biegen, -

schnapp Euer Glas, - in diesem Sinn, -

auf Erika, - die Fünfzigerin! –

         PROST ! 

 

25.08.2000 von D.D.

(Geschrieben für Erika Mauscherling)

 

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